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Klara von Assisi
(1193/94–1253)

KL02mKlara (ital.: Chiara) wird 1193/94 als älteste Tochter von Favarone di Offreduccio di Bernadino und seiner ebenfalls aus vornehmem Hause stammenden Frau Hortulana in Assisi (Umbrien / Mittelitalien) geboren. Ihre Familie gehört der reichen Adelsschicht Assisis an. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer Verwandtschaft verlässt sie bei den Auseinandersetzungen zwischen den „Maiores“ (Schicht der Adligen) und den „Minores“ (Schicht der Bürger) im Jahr 1202 ihre Heimatstadt und flieht nach Perugia. Zusammen mit ihren Schwestern Agnes und Beatrice erhält sie durch ihre Mutter eine umfassende Ausbildung, die auch das Erlernen der lateinischen Sprache einschlisst. Ihr Alltag ist geprägt vom zurückgezogenen Leben reicher Adelstöchter in den Wohntürmen der Oberstadt.

Mit Eigensinn und Gottgespür

Klara hat Franziskus vermutlich im Dom zu Assisi während eines Gottesdienstes predigen gehört. Seine Lebensform übt auf sie eine größere Faszination aus als der übliche Weg einer standesgemäßen Ehe. Über ihre Vettern Silvester und Rufino wird sie mehr über den Bürgersohn erfahren haben, der alle Konventionen brach, auf seinen Reichtum verzichtete und stattdessen als Büßer ein Leben in Armut führte. In Begleitung einer Freundin trifft sich Klara einige Male mit Franziskus und Bruder Filippo zu heimlichen Gesprächen. Sie lernt den 12 Jahre älteren „Poverello“ nun auch persönlich kennen und lässt sich vollends von seiner Christusbegeisterung anstecken, so dass sie beschließt, es ihm gleichzutun.

Sie weiht den Bischof der Stadt in ihr Vorhaben ein, ebenfalls einen religiösen Weg einzuschlagen. Als Zeichen seiner Zustimmung überreicht er ihr am Palmsonntag, dem 18.03.1212, im Dom eine Palme [nach neuesten Forschungen vermutlich bereits im Jahr 1211]. In der folgenden Nacht verlässt die 18-jährige Klara zusammen mit ihrer Freundin Pacifica di Guelfuccio heimlich das Elternhaus. In der Portiunculakapelle unweit der Stadt wird sie von Franziskus und seinen Brüdern erwartet. Zum Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft schneidet er ihr Haar ab und kleidet sie in ein Bußgewand ein. Zunächst findet sie Unterkunft bei den Benediktinerinnen von San Paolo bei Bastia. Da ihre Familie droht, sie gewaltsam zurückzuholen, zieht Klara ins Kloster Sant' Angelo di Panso um. Doch auch dort ist der Aufenthalt nur kurz. Ende April 1212 [1211] lässt sie sich in San Damiano nieder, gemeinsam mit ihrer Schwester Agnes. Später werden auch ihre andere Schwester Beatrice und ihre Mutter Hortulana folgen und sich der neu entstehenden Gemeinschaft anschließen. In Anlehnung an den Ort nannten sie sich „Arme Frauen von San Damiano“ (pauperes Dominae de S. Damiano) oder einfach Damianitinnen. Die Bezeichnung „Klarissen“ bürgert sich erst nach dem Tode der Gründerin ein.

Als Schwester unter Schwestern

Auf Bitten von Klara schreibt Franziskus 1212/13 für die Schwestern eine kurze Lebensform (forma vivendi). 1216/17 verfasst Franziskus eine erste kurze „formula vitae“ für die Gemeinschaft, die in Aufbau und Inhalt weitgehend der franziskanischen Urregel von 1209/10 entspricht. An die Stelle des Wanderlebens der Brüder nach dem Beispiel der Apostel tritt für die Schwestern das kontemplative Leben in strenger Klausur.

1215 wird Klara zur Leiterin der Frauengemeinschaft gewählt. „Als Leiterin der Gemeinschaft von San Damiano ist Klara in schwesterlicher Liebe um das leibliche und seelische Wohl der Mitschwestern besorgt. Sie wäscht ihnen die Füße, pflegt die Kranken und reinigt die Leibstühle. Mit großer Sensibilität nimmt sie innere Nöte wahr und versteht es zu trösten. Trotz der Härte des Klosterlebens strahlt Klara, besonders wenn sie vom Gebet kommt, Freude und Zuversicht aus und steckt ihre Schwestern damit an. Während fast dreißig Jahren, in denen Klara selbst ans Krankenbett gebunden ist, erträgt sie ihr Leiden in Fröhlichkeit und ohne ein Wort der Ungeduld“ (Bernhard Holter).

Die „Heiligste Herrin“: Schwester Armut

Klara ist vor allem die Armut ein zentrales Anliegen. 1215/16 gewährt P. Innozenz III. für San Damiano das „Privileg der Armut“. Bisher war mit den Frauenklöstern stets Besitz verbunden zur Sicherung des Lebensunterhalts. Klara verzichtet bewusst auf diese Sicherheit und kämpft bis zu ihrem Lebensende um den Erhalt bzw. die Bestätigung dieses Privileges.

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1218/19 verfasst Kardinal Hugolin (der spätere P. Gregor IX.) eine Regel, die gemäß den Vorschriften des IV. Laterankonzils (1215) auf der Regel Benedikts beruht. Sie berücksichtigt weder die Besitzlosigkeit noch die Verbindung zur Franziskusgemeinschaft. Klara und ihre Schwestern beachten sie daher nur insoweit, wie sie nicht der „forma vivendi“ widerspricht. Ebenso wenig beugen sie sich einer Regel Papst Innozenz' IV. vom 13.11.1245, die gemeinsames Eigentum gestattete.

Die Ordensregel, die Klara für ihre Gemeinschaft 1247 schreibt, ist die erste von einer Frau verfasste. In ihr spiegelt sich die „franziskanische“ Lebensform wider. Ähnlich wie Franziskus betont Klara das „demokratische“ Element, beispielsweise in der Eigenverantwortlichkeit jeder einzelnen Schwester. Für das Jahr 1238 ist eine Zahl von 50 Schwestern in San Damiano belegt. Am 9. August 1253 bestätigt Papst Innozenz IV. durch die Bulle „Solet annuere“ Klara auf dem Sterbebett diese Regel und das Privileg der Armut.

Trotz Krankheit:
„Sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast“

In den Jahren 1224/25 beginnt bei Klara eine schwere Krankheit, die sie ihre gesamte zweite Lebenshälfte über Jahre ans Bett fesselt und die sich bis zu ihrem Tode hinzieht. Es ist die Zeit, in der Franziskus die Wundmale Christi empfängt. Von Klara werden zahlreiche Wunder, vor allem Heilungen, berichtet.

Im Jahr 1240 kommt es zu einem Überfall der Sarazenen auf San Damiano. Durch das Gebet Klaras bleibt das Kloster unverwüstet. Ebenfalls durch ihr Gebet wird 1241 Assisi befreit, als es vom kaiserlichen Heer belagert wird.

Am 11. August 1253 stirbt Klara. Zwei Jahre später wird sie durch P. Alexander IV. am 15. August 1255 heilig gesprochen. 1260 wird ihr (bis heute unverwester) Leib nach Santa Chiara (erbaut von 1257-1265) übertragen. 1850 wird er wieder aufgefunden und 1872 in der neuen Krypta von Santa Chiara beigesetzt.

Viele Frauen in ganz Europa fühlten sich vom Beispiel der hl. Klara angesprochen und inspiriert, ähnliche Gemeinschaften zu gründen, darunter auch Agnes von Prag.

Von Klara sind folgende Schriften erhalten: Die Ordensregel (im Original), Testament, Briefe und ein Segen (in Abschriften).

Am 9.8.1912 wird Klara von P. Pius X. zur Gründerin des Zweiten Ordens vom hl. Franziskus (Litterae Apost. „Quamquam septimo“) erhoben. P. Pius XII. erklärt sie am 14.2.1958 unter Bezugnahme auf eine von ihr überlieferte Vision zur Patronin des Fernsehens (Apost. Breve “Clarius exsplendescit”).

Br. Stefan Federbusch ofm

Weitere Informationen finden sich unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/KlaravonAssisi

www.klarissen.de
klarissen-paderborn.de

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